Der Weg zum Aufsichtsratsmandat

Von Helmut Pöllinger am 27. Juli 2017

Mann läuft Steinstufen hoch

Aufsichtsrat oder Beirat ist kein Ausbildungsberuf. Darum bringt ein praxisorientierter Ratgeber nun die Anforderungen an Kandidaten auf den Punkt – inklusive persönlichem Projektplan.

In seinem neuesten Buch mit dem Titel „Wie Sie Beirat oder Aufsichtsrat werden“ beschreibt Rudolf X. Ruter sachlich fundiert die Rolle des Aufsichtsrats und Beirats und den Weg dorthin. Das Buch will als Hilfestellung verstanden werden und nicht als Formellehrbuch. Mit seinem reichen Erfahrungsschatz liefert der Autor unweigerlich Aha-Erlebnisse. So gelingt es ihm, die Thematik auf kurzweilige Art zu transportieren.

Zieldefinition

Gleich zu Beginn adressiert Ruter vermeintlich offensichtliche Fragen, die Kandidaten sich vorher stellen sollten, wie: Warum möchte ich Aufsichtsrat werden? Wo will ich Aufsichtsrat werden? Welche Kompetenz steuere ich bei? Der Zeitaufwand dafür werde oft unterschätzt. Häufig entscheiden sich erfahrene Fachleute, die sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen, für eine Aufsichtstätigkeit. Kritisch wird reflektiert, ob daraus nicht schon automatisch eine Schieflage entstehe. Denn die Erfahrungen vergangener Jahre dienten nicht automatisch als Vorlage für sich dynamisch verändernde Herausforderungen und sogenannte disruptive Innovationen.

Der Kandidat und seine Selbstreflexionsfähigkeit

Kapitel B behandelt die fachlichen Qualifikationen, zu denen auch zunehmend digitale Kompetenzen zählen. Die Kenntnisse rechtlicher Rahmenbedingungen gehören zwingend zum Handwerkszeug. Sie reichen von diversen Corporate Governance oder branchenspezifischen Kodizes über Ethik Kodizes oder DIN SPEC Leitlinien bis hin zu Gesetzeskommentaren.

Damit sind die wenigsten Kandidaten aus dem Stand bereits perfekt vorbereitet für ein Mandat. Der Autor verwendet breiten Raum für die Darlegung notwendiger Tugenden, wie Unabhängigkeit und dem Verhalten bei Interessenkonflikten. Interessant sind in dem Zusammenhang Ruters Ausführungen zu den Unterschieden zwischen Management und Leadership: Aufsichtsrats- oder Beiratsfunktionen seien eher Berufung denn Beruf. Kapitel C postuliert Unternehmer die Unternehmer überwachen sollten. Vielfach geforderte Berufsaufsichtsräte finden wenig Zustimmung beim Autor, schon alleine, weil es kein Ausbildungsberuf sei und eine gemeinsame Augenhöhe der Organe gewahrt werden müsse.

Networking und Eigenmarketing

Das Kapitel D „Externe Aufmerksamkeitsbereiche“ liest sich ein wenig wie Dr. Ankowitsch`s kleines Konversations-Lexikon der Aufsichtsratsnetzwerke, perfekt recherchiert und kommentiert. Ruter schließt das Kapitel zum Kandidaten, in dem er das Netzwerken als wesentliche Aktivität des Aspiranten erörtert. Viele vom Autoren befragte Experten bestätigen die Notwendigkeit, sich selbst und relevante Erfolge sichtbar zu machen. Denn ein genialer Kopf im stillen Kämmerlein wird nicht in einen Aufsichtsrat berufen.

Das Kapitel E erspart dem Leser praktisch alle wesentlichen Ratschläge aus den Vorkapiteln selbst zusammenzutragen und präsentiert diese in Form eines Aktionsplans. Wer verstehen möchte, ob er oder sie geeignet ist, Aufsichtsrat zu werden, kann keinen besseren Leitfaden finden!

Mit Plan zum Erfolg

Das Buch bietet auf 132 Seiten einen umfassenden Einblick in das Geschäft von Aufsichtsräten und Beiräten und deren soziokulturellem Umfeld. Ruter vermittelt schonungslos, was einen guten Kandidaten ausmacht und was nicht. Das beinhaltet auch die Aufforderung, sich eine Reihe von Fragen in Form einer Checklist zu stellen. So simpel die Methode, so sehr eröffnet sich dem Leser die Erfahrung und Sachkenntnis von Rudolf Ruter – für den Leser ein unglaublicher Gewinn. Das von Friedrich von Dürrenmatt angeführte Zitat fasst das perfekt zusammen: „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer trifft sie der Zufall“. Ruter zufolge erspart das Buch 100 Stunden Eigenrecherche. Ich teile diese Einschätzung und halte den Wert bei weitem zu niedrig angesetzt.

Das Buch ist im Erich Schmid Verlag erschienen.

Rudolf X. Ruter ist ausgewiesener Experte in den Bereichen Corporate Governance, Nachhaltigkeit und Financial Expert im Sinne des deutschen Aktiengesetzes. Er ist Wirtschaftswissenschafter, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer und einer der Referenten des Zertifikatslehrgangs „Professionelle Aufsichtsrats- und Gremientätigkeit“ an der Donau-Universität Krems.

Board – Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2017

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