Digitale Kompetenz: Top-Manager und Aufsichtsräte sehen erhebliche Defizite

Von Mag. Helmut Pöllinger am 28. Juni 2017

4 Personen in einem Board Meeting

Aus der Sicht von Österreichs Top-Managern, Aufsichtsräten, Beiräten, Stiftungsvorständen und Kuratoriumsmitgliedern herrscht im Bereich digitale Kompetenz in heimischen Unternehmen noch eine Menge Aufholbedarf. Ein Viertel, der im Rahmen der Studie „IT-Security und digitale Kompetenz an der Unternehmensspitze“ von Brainloop und BOARD SEARCH Befragten, würden Österreichs Betrieben im Fach „Digitale Kompetenz“ gerade mal 30 bis 39 von 100 Punkten geben. Nur 1 Prozent der rund 200 Befragten der Studie, die von TQS Research & Consulting im Frühjahr 2017 durchgeführt wurde, sind der Ansicht, dass man heimischen Unternehmen in Sachen digitale Kompetenz Bestnoten verleihen müsste. Parallel dazu meinen 98 Prozent der Befragten, dass die digitale Kompetenz in der Führungsetage eigentlich unerlässlich für den Unternehmenserfolg sei.

Auf die Frage, ob sie die fortschreitende Digitalisierung als Chance oder Bedrohung sehen, antworten nur 4 Prozent der Befragten mit „Bedrohung“: 86 Prozent erachten die Digitalisierung hingegen als Chance, 11 Prozent sind in dieser Frage unentschlossen. Sehr kritisch sind Top-Manager und Aufsichtsräte hinsichtlich der digitalen Kompetenz unter ihresgleichen: Sie glauben, dass die digitale Kompetenz bei Aufsichtsräten in der heimischen Wirtschaft tendenziell sehr gering (25 Prozent) bzw. gering (51 Prozent) ausgeprägt ist. Deutlich mehr mit der Digitalisierung können aus Sicht der Befragten Unternehmenseigentümer (25 Prozent hohe/sehr hohe Kompetenz), Top-Management (54 Prozent hohe/sehr hohe Kompetenz) bzw. Marketing und Vertrieb (67 Prozent hohe/sehr hohe Kompetenz) anfangen.

Herausforderung Digitalisierung wird angenommen

Interessant ist, dass lediglich 64 Prozent der Befragten glauben, dass ihr Unternehmen in den kommenden fünf Jahren die Transformation zu einem digitalen Unternehmen vollziehen wird. Für 70 Prozent der Befragten gibt es aber aktuell keine Gründe, nicht in die Digitalisierung des eigenen Geschäfts zu investieren. Bei jenen 16 Prozent der Befragten, die in unmittelbarer Zukunft unternehmensintern keine Ressourcen in die Digitalisierung investieren wollen, liegt dies an begrenzten finanziellen Möglichkeiten (37 Prozent), am fehlenden Know-how (37 Prozent), an der Prioritätensetzung des Managements/Aufsichtsrats/Eigentümers (30 Prozent), am Mangel an geeignetem Personal (11 Prozent) und am Nichtvorhandensein von Markt- und Kundenerfordernissen (26 Prozent).

„Die Digitalisierung ist eine riesige Chance für Allianzen, Kooperationen, Neugründungen und Fusionen. Die Digitalisierung ist die Zukunft, und Unternehmen müssen sich mit der Zukunft beschäftigen, um überhaupt eine Zukunft zu haben. Die Studie zeigt ganz klar auf, dass auch Top-Management und Aufsichtsräte in hohem Maße gefordert sind, sich digitale Kompetenzen anzueignen.“

Dr. Josef Fritz, geschäftsführender Gesellschafter BOARD SEARCH

Erhöhte Wachsamkeit gegenüber Cyber-Attacken

Während 57 Prozent der Befragten die größten Risiken und Herausforderungen für die heimische Wirtschaft aktuell in mangelnder Qualität von Mitarbeitern aller Ebenen orten, sorgen sich 56 Prozent um das Themenfeld Cyber Security generell. 55 Prozent haben disruptive Erscheinungen wie alternative Beschaffungs- und Absatzwege am Radar und 53 Prozent haben Respekt vor der Transformation von Geschäftsmodellen und Geschäftsprozessen. Änderungen im Nachfrage- bzw. Konsumentenverhalten befürchten nur 29 Prozent, und auch regulatorische Änderungen (14 Prozent) treiben den befragten Top-Managern und Aufsichtsräten nur bedingt den Angstschweiß auf die Stirn. 46 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Unternehmen über ein systematisches und strategisches Sicherheitsmanagement im IT-Bereich verfügt. 31 Prozent der Befragten sehen ihr Unternehmen in Sachen Cyber Security und dem Schutz vor Cyber-Attacken zumindest teilweise gut aufgestellt. Der Aufholbedarf bei organisatorischen Maßnahmen zur Datensicherheit ist laut den Einschätzungen der befragten Top-Manager und Aufsichtsräte zufolge enorm: Lediglich 30 Prozent der heimischen Unternehmen haben aktuell sinnvolle Vorkehrungen zum Schutz ihrer Daten getroffen.

EU Datenschutz-Grundverordnung am Radar

80 Prozent der befragten Top-Manager und Aufsichtsräte haben aktuell vor, sich intensiv mit der ab dem 25. Mai 2018 gültigen EU Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) auseinander zu setzen. Noch sind 59 Prozent der Befragten mit den Details der DSGVO allerdings wenig bis gar nicht vertraut. Mutig erscheint, dass 18 Prozent der Top-Manager und Aufsichtsräte dem Thema DSGVO selbst elf Monate vor Inkrafttreten weder Zeit, noch Energie widmen wollen.

Digitale Kompetenz als strategische Managementaufgabe

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen sehr schön, dass digitale Kompetenz nicht an die IT-Abteilung delegiert werden kann. Vielmehr ist Digitalisierung eine strategische Managementaufgabe. Dazu gehört auch die Cyber-Sicherheit in allen ihren Dimensionen. Digitale Transformation ohne Sicherheit greift zu kurz.

Download der Studie

 

Informationssicherheit, Board, Trends

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