Aufsichtsratsagenda 2018: Das sind die Top-Prioritäten

Von Daniela Mattheus, EY, Berlin am 23. Mai 2018

Schachfiguren

Politische Instabilitäten, globale wirtschaftliche und regulatorische Veränderungen und auch der digitale Wandel sorgen in Unternehmen und der Gesellschaft gleichermaßen für massive Umbrüche. Das führt auch auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene zu einem Umdenken: die Prioritäten der Aufsichtsratsagenda werden neu geordnet.

Nachhaltigkeit, Corporate Purpose und Transparenz

Vorstand und Aufsichtsrat sehen sich neuen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen ausgesetzt: Fragen zum Verhalten von Unternehmen und ihres Managements, zum Unternehmenszweck („Corporate Purpose“) an sich, gerade, wenn es um den Beitrag zum Gemeinwohl geht. Auch das Erzielen langfristiger Unternehmenserfolge auf eine nachhaltige und sozial akzeptable Weise sowie Fragen der Kommunikation und Transparenz stehen im Vordergrund. Das Management muss also zeigen, dass es in der Lage ist, langfristig zu denken, Pläne klar zu kommunizieren und auch sein Verständnis für die Auswirkungen aktueller Trends auf das eigene Unternehmen unter Beweis zu stellen.

Corporate Social Responsibility

Die CSR-Richtlinie und die Prüfungspflicht des Aufsichtsrats bzw. des Prüfungsausschusses hinsichtlich des nicht-finanziellen Berichts spielen vor diesem Hintergrund eine wichtige Rolle. Für den Aufsichtsrat ist es wichtig, sich mit dem Vorstand über nicht-finanzielle Leistungsindikatoren als wichtigen Bestandteil der Unternehmensstrategie auszutauschen, damit er entsprechende Umsetzungsmaßnahmen ergreifen kann. Das sollte auch entsprechend incentiviert werden.

Vorstandsvergütung

Die Vorstandsvergütung muss folglich auch überdacht werden. Im Vordergrund steht die Frage, wie sich die aktuellen Vergütungsmodelle einfacher gestalten und dem Kapitalmarkt verständlicher kommunizieren lassen. Erst recht, wenn man bedenkt, dass die ohnehin schon komplexen Modelle durch die Incentivierung der nicht-finanziellen KPIs noch komplexer werden könnten.

Unternehmenskultur und Talent Management

Regelgetriebene Kontrollprozesse wie Risikomanagement, interne Revision oder Compliance Management machen noch lange keine gute Corporate Governance aus. Die Unternehmenskultur ist viel mehr der Schlüssel und diese beginnt im Aufsichtsrat. Auch das Talent Management steht ganz oben auf der Agenda. Die richtigen Talente zu gewinnen, sie zu entwickeln und zu binden, sind entscheidende Wettbewerbsfaktoren in allen Branchen. Aufsichtsräte und Vorstände müssen deshalb die HR-Strategie und entsprechende Förderprogramme diskutieren.

Gremienbesetzung und Leadership

Die Gremienkultur ist essentiell für eine gute Aufsichtsratsarbeit. Besonders dann, wenn sich Aufsichtsräte nicht primär und ausschließlich auf die formal richtige Erfüllung ihrer Aufgaben konzentrieren, sondern einen echten Wertbeitrag für das Unternehmen schaffen wollen. Leadership ist daher das Stichwort, das die Arbeit von Aufsichtsräten prägt und das Verständnis für die eigene Arbeit grundlegend verändert. Hier gilt es umzudenken und unternehmerischen Esprit unter Beweis zu stellen. 

Investorendialog und Aktionärsrechte

An einer geeigneten Aufsichtsratsbesetzung haben insbesondere die Aktionäre ein nachhaltiges Interesse. So gewinnt auch in Deutschland der Dialog zwischen Aufsichtsratsvorsitzenden und Investoren immer mehr an Bedeutung. Die Anregung in Ziff. 5.2 DCGK und der veröffentlichte Praxisleitfaden „Developing Shareholder Communication“ eröffnen dem Aufsichtsratsvorsitzenden ein neues Betätigungsfeld, zu dem er sich in Dialog mit Vorstand und Investor Relations Gedanken machen muss. Die Stärkung von Transparenz und Aktionärsrechten ist Leitbild dieser gesetzgeberischen Initiative.

Digitalisierung

Auf der Aufsichtsratsagenda nehmen die Chancen und Risiken der Digitalisierung gleichermaßen einen wichtigen Platz ein. Top-Themen sind dabei neue digitale Produkte, der Aufbau digitaler Skills und Talent Management, Datenschutz und -souveränität sowie das Internet der Dinge.

Cyber Risk und Datensicherheit

Im Zuge der Digitalisierung werden Datenschutz und Informationssicherheit immer wichtiger. Aufsichtsräte müssen deshalb dafür sorgen, dass der Vorstand geeignete technische Maßnahmen und auch eine angemessene Risikostrategie implementiert – erst recht vor dem Hintergrund der am 25. Mai in Kraft tretenden EU-Datenschutzgrundverordnung.

Vorständen und Aufsichtsräten steht also eine spannende Zeit bevor, denn die Themen ihrer Agenda werden immer vielfältiger. Sie tun deshalb gut daran, die neuen Punkte aktiv und vorausschauend zum Wohl des Unternehmens anzugehen.

Board, Gast-Autoren

Über die Autorin

Daniela Mattheus ist seit Juli 2012 bei EY und leitet als Partner die Corporate Governance Board Services in Deutschland, Österreich und Schweiz und in EMEIA. In dieser Rolle berät sie Aufsichtsräte und Vorstände und ist verantwortlich für die Informations- und Netzwerkplattform EY Governance Matters® (www.governancematters.de).

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