Aufsichtsrat und Ethical Due Diligence

Von Rudolf X. Ruter am 17. Juli 2019

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Jeder Aufsichtsrat muss die Leitlinien einer langfristig und nachhaltig orientierten Unternehmensführung einfordern. Jedes Aufsichtsratsmitglied ist persönlich für die effektive und effiziente Unternehmensüberwachung und -beratung verantwortlich. Er sollte seine Möglichkeiten hierbei entschieden nutzen. Dies gilt insbesondere beim Kauf und Fusionen von Unternehmen (M&A), wo der Käufer versucht, meist mit Hilfe einer „Due-Diligence-Prüfung“ (abgekürzt Due Diligence bzw. DD), im Vorfeld der Transaktion ein umfassendes Bild über sämtliche zu erwerbenden Unternehmensteile zu erhalten. Meist beschränken sich die sorgfältigen Prüfungen und Analysen eines Unternehmens dabei auf seine wirtschaftlichen, rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Verhältnisse. Ziel einer DD ist also sich so weit wie möglich abzusichern, dass die Annahmen und Voraussetzungen, auf die sich ein Kaufangebot für ein Unternehmen bezieht, zutreffen und alle relevanten Risiken identifiziert worden sind.

Ethical Due Diligence

Eine Prüfung der ethischen Verhältnisse im Unternehmen ist hierbei meiner Meinung nach genauso erforderlich wie eine sorgfältige Prüfung im Hinblick auf wirtschaftliche, rechtliche, steuerliche, finanzielle und gegebenenfalls marktbezogene, soziale oder umweltbezogene Verhältnisse. Leider kommt es in der Praxis nur selten vor. Die Ethik beschäftigt sich mit dem menschlichen Handeln und der dahinterstehenden Moral. Oder anders ausgedrückt: die Ethik gibt uns Leitplanken für unser tägliches Agieren. Und es gibt viele Leitplanken. Eine in letzter Zeit immer öfter zitierte Leitplanke lautet: „Was legal ist, ist nicht immer auch legitim“. Dies gilt natürlich und zu allererst für den ehrbaren Aufsichtsrat? Eine Ethical Due Diligence soll die Antwort auf die Frage liefern: Welche moralischen Wertvorstellungen und Ideale hat das Unternehmen und wie unterstützen diese das unternehmerische Gewinnstreben?

Zu einer Ethical DD gehört nicht nur die Feststellung nach welchen „Soll-Vorstellungen“ das Unternehmen in Form von Vorschriften (z.B. Code of Conducts, Deutscher Corporate Governance Kodex, UN Global Compact, ILO, "Leitbild für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft") agiert und berichtet (zum Beispiel in Nachhaltigkeitsberichten), sondern insbesondere wie die Mitarbeiter und zu allererst deren Führungskräfte diese Werte leben und im Tagesgeschäft anwenden und umsetzen. Welche moralischen Wertvorstellungen und Ideale hat das Unternehmen und wie unterstützen diese den nachhaltigen unternehmerischen Erfolg? Diese Werte, die sogenannte Unternehmenskultur gilt es also festzustellen und auf Kompatibilität mit der Unternehmenskultur des übernehmenden Käufers abzugleichen.

Ethical Due Diligence in Recruitment

Nicht nur beim “Einkaufen” von neuen Unternehmen, sondern auch beim „Einkaufen“ weiterer Führungskräfte sollte ein Unternehmen diese ethische Sorgfaltspflicht anwenden. Das Institut für Business Ethics in London hat bereits 2010 ein Business Ethics Briefing mit dem Thema „Ethical Due Diligence in Recruitment“ herausgegeben mit Anleitungen und Praxisbeispielen.

Es geht in allen Bereichen um zukunftsfähiges Führungsverhalten und um die Kernfrage: Welche Werte sind mir als Führungskraft – privat und beruflich – wichtig?  Entspricht die Summe der wesentlichen persönlichen Werte aller Führungskräfte nicht den Wertvorstellungen des Unternehmens (vertreten durch Eigentümer und Aufsichtsgremien) kommt es zu einer „Vorspiegelung falscher Tatsachen“, sowohl intern als auch extern, und beeinträchtigt den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens zwangsläufig. Ein „Walk the Talk“ ist also nur vorgetäuscht und wird von vielen nicht mehr akzeptiert. Eine Ethical Due Diligence ist meiner Meinung nach beim Kauf eines Unternehmens und dem Einstellen von weiteren Führungskräften genauso notwendig wie die „klassische“ Prüfung und Analyse im Hinblick auf seine wirtschaftlichen, rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Verhältnisse. Eine nachhaltige Unternehmensführung ohne Wertorientierung ist nicht möglich. Diese Wertorientierung wird in den Köpfen und in den Taten der involvierten Menschen gelebt. Diese zu kennen, ist unabdingbar.

Board, Due Diligence, Gast-Autoren
Rudolf X. Ruter

Über den Autor

Rudolf X. Ruter ist Experte für Corporate Governance und Nachhaltigkeit, Buchautor und Mitglied in diversen Aufsichtsgremien. Er war Gesellschafter und Geschäftsführer bei Arthur Andersen und baute als Partner bei Ernst & Young den Geschäftsbereich Nachhaltigkeit in Deutschland auf. www.ruter.de

Als Experte für Nachhaltigkeit und Corporate Governance beschäftigt er sich verstärkt mit Ethik und Ehrbarkeit in der Wirtschaft. Er ist überzeugt, dass Glaubwürdigkeit und Reputation die Währung unserer Zukunft ist. In seinem Buch  „Wie Sie Beirat oder Aufsichtsrat werden“ beschreibt Rudolf X. Ruter außerdem sachlich fundiert die Rolle des Aufsichtsrats und Beirats und den Weg dorthin.

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